Wander-Horrer in Norwegen

Wie eine einfache Wanderung ins Chaos umschlug

Es folgt ein Bericht einer Wanderung, bei der so ziemlich alles schief lief, was schief laufen kann.

Ausgangspunkt dieser als rot gekennzeichneten Tour ist der kleine Ort Sand, direkt an der Touristenroute 13 gelegen. Das Auto haben wir wie in der Wanderbeschreibung angegeben an der Schule von Sand kostenlos abstellen können. Von hier startet die Tour direkt steil. Zu Beginn sollen 700 Höhenmeter überwunden werden. Wir haben 200 geschafft, dann war die Tour zu Ende…

Schlechtes Wetter bei Wanderung in NOrwegen

Der schmale Pfad führt sehr steil über rutschige und moosige Felsbrocken, man läuft entlang eines kleinen Flussbettes steil bergauf. Da es die Tage zuvor recht viel geregnet hat, ist der Weg nass, matschig, rutschig und im allgemeinen sehr schwer passierbar. Dementsprechend kommen wir nur langsam voran.

Obwohl wir die Wanderung bei strahlemden Sonnenschein begonnen haben, hören wir plötzlich lautes Donnern direkt über uns. Binnen weniger Minuten öffnen sich die Himmelsschleusen. Zum Glück haben wir die Regenausrüstung immer griffbereit und so hat die Zeit zwischen dem ersten Donnern und dem Regenstart gerade gereicht, um Regenjacke, Rucksackregenschutz, Regenhose und Gamaschen anzulegen. Den Starkregen mit Hagel haben wir dann mitten im Wald stehend über uns ergehen lassen, ein durchaus eindrucksvollen Naturerlebnis, wenn auch durchaus etwas beängstigend. Nach wenigen Minuten war der Spuk schon wieder vorbei und der schönste Sonnenschein begrüßte uns. Also ging der steile Pfad weiter bergauf. Die zuvor schon rutschigen Felsen waren zwischenzeitlich noch rutschiger geworden, der Matsch und Schlamm wurde auch immer mehr.
Also haben wir schweren Herzens die Wanderung nach nur 1,5 Kilometern abgebrochen – ein bislang einzigartiges Ereignis in unserer „Wanderkarriere“.

Mühsam und beschwerlich haben wir uns den schmalen Weg wieder zurückgehangelt. Als Haltstütze wurde alles genutzt, was einigermaßen stabil aussah – von dünnen Birken über glitschige Felsen bis hin zu mir – der sogenannten „Hilfbirke“.

Trotz aller Vorsicht kam was kommen musste – umgeknickt und vorbei war es mit dem Wandern!

Unfälle geschehen

Nach erstem Schreck haben wir den Knöchel dick Bandagiert – in der Erstversorgung überdehnter Bänder bin ich ja leider mittlerweile sehr erfahren. Nun konnte ich den Fuß nicht mehr belasten und die zuvor anspruchsvolle Wanderung wurde für mich zur Tortur. Auf zwei Wanderstöcke gestützt humpelte ich auf einem Fuß den steigen Pfad hinab. Zum Glück kreuzte dieser eine steile Schotterpiste. Wir haben beschlossen uns hier zu trennen – ich habe mit 2 anderen gewartet, wiederrum zwei andere sind Hilfe holen gegangen.

Nun kam zum ersten Mal am Tag Glück ins Spiel. Während wir uns gerade gegen das erneut aufziehende Gewitter rüsteten und bereits Hagelkörner zum Kühlen der Verletzung gesammelt haben, sprach uns mitten in der Einöde eine Norwegerin auf Deutsch an. Sie wohne in der Gegend, habe meine Bruder getroffen, der von meiner Verletzung erzähle und schon rief sie ihren Mann an – der war mit seinem Geländewagen direkt in der Nähe. Keine zwei Minuten später saß ich sicher verstaut im warmen Truck – Vater, Oma und meine unverhoffte Retterin wurden auf der Ladefläche des Pickups stark durchgeschüttelt. Das muss man sich mal vorstellen – meine 73 jährige Oma fährt im schönsten Gewitter auf der offenen Ladefläche eines Pickups durch die Norwegische Einöde! Ein Bild für die Götter.

Nach kurzer Fahrt war der Spuk vorbei, unsere Helfer haben uns auf befahrbarer Straße abgesetzt, wo mein Bruder uns wenig später mit dem Mietwagen eingesammelt hat. Insgesamt ist alles sehr glimpflich ausgegangen: viel Nässe, Dreck, ein tiefsitzender Schreck und ein überdehntes Band. Hätte schlimmer kommen können.

Regenbogen bei Gewitter

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