Trauma einer Nation : Der Völkermord durch die Khmer Rouge

Kambodscha, das Land das in der westlichen Welt vor allem wegen der beeindruckenden Tempelanlagen Angkor bekannt ist, hat eine bewegte, traumatische und grausame Vergangenheit.

Kambodschas Landleben erkunden

Kurzer geschichtlicher Abriss

Vor nicht einmal 40 Jahren ergriffen die radikalen Kommunisten der Khmer Rouge – die Roten Khmer – die Macht in Kambodscha. Das ideologische Ziel dieser fanatischen Gruppe war es, steinzeitlichen Agrarkommunismus in Kambodscha zu etablieren.

Um dies zu erreichen, wurden alle Bewohner großer Städte aus ihrer Heimat vertrieben und in Kommunen umgesiedelt, in denen sie täglich 12 bis 16 Stunden Zwangsarbeit unter schwersten Bedingungen leisten mussten. Familien wurden systematisch getrennt, Menschen durch Folter und Schwerstarbeit zermürbt und tausende Menschen hingerichtet. Binnen drei Tagen verwandelte sich die Hauptstadt Phnom Penh mit ehemals mehr als 2 Millionen Einwohnern in einer Gesiterstadt.

Geld und Währung wurde abgeschafft, Bücher verbrannt, Religion und persönlicher Besitz wurden verboten.

Wer als Staatsfeind klassifiziert wurde musste sterben, dazu zählten unter anderem Gelehrte, Intellektuelle, Militärangehörige, Brillenträger, Menschen die Fremdsprachen verstehen, Menschen die Bücher lesen. Und deren Familien. Die Khmer Rouge töteten alle Familienangehörige ihrer Staatsfeinde – Frauen, Säuglinge, Alte – somit war niemand mehr übrig, der Rache üben könnte.

Ein Drittel der Landesbevölkerung erlebte das Ende der vierjährigen Schreckensherrschaft nicht, über zwei Millionen Kambodschaner verloren ihr Leben durch Hunger, Krankheit und Exekution.

Völkermord in Kambodscha: die roten Khmer

Killing Fields: Gedenken und Erleben

Über 300 sogenannte Killing Fields gibt es im ganzen Land. Diese Gebiete wurden für Hinrichtunngen hunderttausender Menschen genutzt, sie sind übersät mit Massengräbern.

Um kostbare Munition zu sparen wurden die Gefangenen in diesen Exekutionszentren mit Stöcken, Äxten, Hämmern und anderem Werkzeug zu Tode geprügelt. Säuglinge wurden einfach an den Beinen gepackt und mit dem Kopf so lange gegen einen Baum geschleudert, bis sie tot waren.

Killing Fields Kambodscha: Gedenkstätte

Gegen diesen Baum wurden Säuglinge geschleudert, bis sie tot waren.

Das bekannteste dieser Killing Fields, das Choeung Ek, befindet sich wenige Kilometer außerhalb Phnom Penh. Es zur Nationalen Gedenkstätte umgewandelt. Die Gräueltaten der Khmer Rouge wurden hier aufgearbeitet und werden den Besuchern durch eine interessante und anschauliche Audio Tour nahe gebracht. Die Audio Tour besteht aus 19 Stationen, hier werden die Geschichte, die Einrichtungen, die Vorgänge und die Massengräber erklärt. Neben Hintergrundwissen erhält der Besucher zudem Zeitzeugenberichte.

Mittelpunkt des Areals ist eine hohe Stupa, in deren Innerem über 9.000 Totenschädel und andere Knochen in einem Glasturm aufbewahrt werden.

Gedenkstätte Killing Field Kambodscha

Der Eintritt zur Gedenkstätte kosten 6 Dollar für internationale Besucher, dies beinhaltet den Audioguide und den Besuch im Museum.

Ich kann jedem Besucher Kambodschas nur empfehlen, sich mit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer auseinander zu setzen. Sie gehört zu Kambodschas Geschichte und prägt dieses Land nachhaltig.

Weiterführende Literaturempfehlung: „Children of Kambodias Killing Fields – Stories of Survivors“. Dieses dünner Buch fasst Zeitzeugenberichte von Kindern zusammen, die die Roten Khmer überlebt haben. Ein sehr erschütterndes aber ehrliches Buch.

Völkermord Khmer Rouge in Kambodscha

One thought on “Trauma einer Nation : Der Völkermord durch die Khmer Rouge

  1. 1. April 2016 at 23:37

    Der Führer der Roten Khmer, diese Schreckensgestalt Pol Pot, ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Teile seiner Gefolgschaft und vermutlich auch er lebten im selben Hotel in Paris wie ich. Es war das Hotel Anglo-Latin, Rue St. Andre-des Arts. Allerdings hatte ich davon erst Jahrzehnte später erfahren. Gruselig war mir trotzdem…

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