Tourist in der eigenen Stadt – SpazierTheater in Weimar

Ist man auf Reisen, versucht man alles zu erleben, was die besuchte Gast-Stadt zu bieten hat. Nur drei Tage Zeit um Hamburg zu entdecken? Dann schnell eine Stadtführung, eine Rotlicht-Tour und auf jeden Fall das Musical nicht vergessen. Das bunt gemischte Programm bringt dem Touristen die Stadt näher, erzählt von Geschichte und Begebenheiten, zeigt Szene-Kneipen und Lieblingsplätze auf.

Ich kann nur für mich sprechen, aber wenn ich unterwegs bin, habe ich immer ein volles Programm und viel vor um so viel wie möglich zu erleben. In der eigenen Heimat jedoch war ich noch nie in einem Museum, würde ich nie auf die Idee kommen, eine Stadtführung zu machen. Entsprechend wenig kenne ich mich auch Zuhause aus. Ja natürlich, ich bin die gesamte Stadt schon 1000 Mal abgelaufen, kenne die meisten Wege und Gebäude – vom Sehen jedenfalls.

Was es in Weimar alles zu entdecken gibt

Im Ilm-Park zum Beispiel bin ich schon unzählige Male Spazieren gewesen oder Joggen gegangen. Eigentlich müsste man also meinen, ich kenne mich hier aus wie in meiner Westentasche, doch beim gestrigen Spaziergang ist mir aufgefallen, wie wenig ich über die Geschichte einzelner Statuen, gemütlicher Plätze und imposanter Palais weiß. Und dann habe ich den Flyer vom SpazierTheater in die Hände bekommen – warum also nicht?

Die etwas andere Stadtführung – Mit Goethes Gärtner durch Weimars Vergangenheit

Zusammen mit 20 anderen treffen wir uns an der Pompejianischen Bank – wir sind nicht nur die einzigen Weimarer, wir sind auch gefühlte 20 Jahre jünger als die anderen Teilnehmer. Stolze 12 Euro pro Person verlangt Goethes Gärtner, unser Führer durch den Ilmpark in historischer Verkleidung. Kaum sind die Tickets bezahlt, da fängt er auch schon an, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Jetzt weiß ich zum Beispiel, dass die Pompejianische Bank nur eine von vielen Ideen war, die Goethe von einer seiner Italienreisen mit nach Weimar brachte und prompt umsetzen, beziehungsweise nachbauen lies.

Lustig und anschaulich zugleich, das Spazietheater in Weimar

Natürlich lächelt einen der Herr Goethe in Weimar von jeder Ecke an, mir war aber ehrlich gesagt nicht bewusst, wieviel Einfluss er auf die Stadt hatte. Kenne ich Goethe vordergründlich als Schreiberling (man mag mir meine „Kulturbanauserei“ verzeihen) wusste ich nicht, dass er das Gesicht des heutigen Ilm Parks maßgeblich geprägt hat, dass er zum Beispiel die Bauarbeiten des Römischen Hauses überwacht und geleitet hat.

Ausgestattet mit einer Holzkraxe führt uns Goethes Gärtner zu verschiedenen Punkten des Ilm Parks, die meisten sehen auf den ersten Blick nicht besonders aus. Doch weiß der historische Zeitzeuge interessante Anekdoten zum Höfischen Leben zu berichten, auch einiger Klatsch und Tratsch der damaligen Zeit wird neu aufgewärmt auf den Tisch gebracht. Untermauert werden seine Geschichten von lustigem Theater. So verwandelt sich die Holzkraxe schnell zum Puppentheater und wir können Puppen-Goethe bei reger Diskussion mit seinem Baumeister oder Gärtner sehen. Ein anderes Mal werden Handpuppen benutzt um Auszügen aus den Werken Goethes leichter verständlich an den Mann zu bringen. Neben unterhaltsamen Anekdoten weiß Goethes Gärtner natürlich auch viel über die Entstehung des Parks und über seine Pflanzen zu berichten. Ich gebe zu, Botanik ist nicht ganz meins, aber nun weiß ich, dass eine Weißbuche eigentlich eine Birke ist, weiß woher Carl August welchen Baum beschaffte und dass die Russen den Park zu Truppenübungen benutzt haben.

Viel zu schnell vergingen die 1,5 Stunden SpazierTheater im Ilmpark. Uns hat es richtig gut gefallen und wir sind nicht nur gut unterhalten sondern auch noch um einiges schlauer wieder nach Hause gegangen. Ich denke, dies wird nicht die letzte Touristen-Attraktion Weimars gewesen sein, die wir ausprobieren werden.

Alle Infos zum SpazierTheater findet ihr auf www.spaziertheater-weimar.de

Erfindungsreicher Gärtner beim Spaziertheater durch den Ilmpark in WeimarWarum steht der Dichter hier rum? IMG_7658

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