Pleiten, Pech und Pannen: Was auf Reisen so alles schief gehen kann

Eine Reisepanne? Ist wahrscheinlich jedem schon einmal passiert. Aber darüber reden? Das tut niemand wirklich gern – schon gar nicht, wenn man auch noch selber daran schuld ist. Die Reisenacht auf Twitter vom 30. März hatte sich nun allerdings genau diesem Thema verschrieben und die Teilnehmer antworteten zahlreich. Deshalb wurde das Motto der #RN8 „Fernweh für alle“ für eine Stunde ausgetauscht für eine Auswahl von gesammelten Missgeschicken der twitternden Reisebegeisterten. Herausgekommen sind dabei kuriose, witzige und besondere Geschichten, die von  Beatrice von Reisezeilen mit dem treffenden Fazit zusammengefasst wurden, dass wohl alle anwesenden Reiseblogger besorgte Eltern hätten, weswegen Letztere auf der Anrufliste für Notfälle nicht unbedingt an oberster Stelle stünden.

Gerade weil die Geschichten so vielseitig waren, ist Gundel dann spontan auf die Idee gekommen, eine Auswahl von Gastbeiträgen auf ihrem Blog zum Thema der Reisenacht zu veröffentlichen. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und habe über Ostern einige meiner ungeliebten Missgeschicke zusammengekratzt, die mir unterwegs schon passiert sind. Davon gab es, um ehrlich zu sein, gar nicht mal so wenige, wenn auch nichts wirklich dramatisches dabei war (zumindest aus der Retrospektive betrachtet). Deshalb hier nun drei meiner Pannen  aus sieben Jahren aktivem Reisen.

 

Codewort: London

Anna in London

Die erste meiner Reisepannen fand vor und während eines London Städtetrips statt. Protagonisten in diesem Drama in drei Akten waren zum einen eine verspätete Maschine und zum anderen das Londoner Bahnnetz. Als Antagonist hatte sich das eisige Januar Wetter eingefunden.

Von Anfang an schien die Reise unter keinem besonders guten Stern zu stehen. Denn schon auf dem Hinweg war die Maschine mit fast zwei Stunden Verspätung gesegnet.

Wir warteten also. Und warteten. Und warteten. Es war weit nach 22 Uhr und alle Passagiere wollten nur eins: Schlafen. Irgendwann landete das Flugzeug dann, wir durften hinein und der Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir mit etwas Eile den letzten Stansted Express noch bekommen würden. Gutgläubig und naiv wie ich war, dachte ich still bei mir: Wenigstens ein bisschen Glück.

Aber halt. So einfach war das nicht.

In London angekommen (endlich!) hetzten wir zu den Gleisen, hinein in den Zug, Türen zu, Fahrt ging los. Mit unseren Gedanken schon bei gemachten Hotelbetten (es war mittlerweile nach null Uhr) und dem Frühstück am nächsten Morgen, bekamen wir die Rausschmeißer Ansage erst mit, als der Zug viel früher als geplant anhielt und alle Leute aussteigen mussten – irgendwo in einem der Außenbezirke Londons, kurz nach Mitternacht, abgespannt und ohne Plan. Überflüssig zu erwähnen, dass die U-Bahnen längst geschlossen waren und auch keine Busse mehr fuhren. Von Taxis weit und breit keine Spur. Wir standen also auf dem Bahnsteig, der Express konnte weder vor noch zurück und wurde deshalb kurzerhand ausgesetzt. Begründung: Das Wetter.

Ich schaute konsterniert auf die Gleise, konnte aber nur eine allerhöchstens fingernageldicke Schneeschicht entdecken und eine Diskussion darüber mit dem Lokführer anzufangen, hätte auch nichts gebracht – der hatte nämlich schon Feierabend gemacht.

Nun gut. Im Stillen ging ich meine Optionen durch: Kopf in den Koffer stecken, Panikanfall bekommen, der Herde folgen. Ich entschied mich für Letzteres, auch wenn der Großteil der Herde noch geknickt auf dem Bahnsteig herumstand und – genau wie ich – nach einem Ausweg suchte.

Und während allen anderen vermutlich ähnliche Gedankengänge durch den Kopf schossen, wie mir, passierte es ganz unverhofft doch  noch: Das Glück kam um die Ecke geschlendert, und zwar in Form eines Vaters mit kleinem Sohn an der Hand, der unsere hilflosen Mienen richtig deutete, mit uns zusammen ein Taxi auftrieb (wie er das geschafft hat, ist mir bis heute ein Rätsel) und sogar über die Hälfte des Fahrpreises bis zu unserem Hotel übernahm, obwohl er schon viel früher aussteigen musste (unbekannterweise noch einmal vielen, vielen Dank). Nach diesen Startschwierigkeiten konnte unser Städtetrip dann endlich richtig losgehen.

 

ATM Geldautomat gegen Kreditkarte

Exif_JPEG_PICTURE

Zugegeben, das ist eine der Reisepannen, bei denen ich mir im Nachhinein gerne selber eine Schelle verpasst hätte. Sie wäre so einfach zu vermeiden gewesen – ein Anruf bei der Bank vor Reiseantritt hätte gereicht. Habe ich aber nicht dran gedacht und stand deshalb bei einer USA Reise vor dem Problem, dass ich ein B&B bar bezahlen sollte, der Geldautomat aber der Meinung war, die Kreditkarte sperren zu müssen.

Nicht witzig.

Von Philadelphia bis New York hielten wir deshalb an gefühlt jeder Ausfahrt an und versuchten, Geld abzuheben. Vergebens.

Ich sah uns schon im Central Park nächtigen, hungernd, allein und verlassen (ich neige in solchen Momenten zur Dramatik) und die Bank zu Hause war selbstredend ebenfalls nicht zu erreichen (wie auch, es war in Deutschland kurz vor Mitternacht), bis, ja, bis wir den ältesten ATM Automaten auftaten, den ich bis dato gesehen habe.

Die Grafik auf dem Display erinnerte zwar an Atari Rechner und er wirkte nicht gänzlich vertrauenerweckend, aber – und das war unser Glück im Unglück – er tat, was ein guter Geldautomat tun sollte: Er spuckte die geforderte Summe aus.

Mir fiel ein Stein vom Herzen, die Vision von unter der Brücke verbrachten Nächten bis zum Rückflug verflüchtigte sich schlagartig und ich hatte eine harte Reiselektion gelernt: Sag deiner Bank Bescheid, bevor du im nicht europäischen Ausland größere Summen Geld abheben willst. Immer.

 

Stromausfall und Koffer-Tetris

flugzeug am Flughafen London

Meine letzte Reisepanne wäre im Gegensatz zu der Kreditkartengeschichte nicht vermeidbar gewesen, zumindest nicht von mir selbst. Alles begann, nachdem mein Reisepartner kurz vor unserem Urlaubsantritt noch auf eine berufliche Konferenz musste. Kein Problem, sollte man meinen, er war ja rechtzeitig wieder da. Und sein Gepäck auch. Oder?

Nein, falsch gedacht, denn nachdem die Airline schon auf dem Hinweg seinen Koffer hatte liegen lassen und dieser nur unter größten Anstrengungen an den Konferenzort gebracht werden konnte, verlor sie ihn – Murphy’s Law – auch beim Rückflug. Dieser wiederum fand 48 Stunden vor unserem Reiseantritt statt, eigentlich ebenfalls genügend Zeit, um einen Koffer auf Abwegen wieder einzufangen, denn er war nur am Abflugort vergessen worden. Man wusste also, wo das gute Stück lag. Es sollte daher auch nicht lange dauern, versicherte man ihm, und der Koffer im Laufe des Tages zu Hause abgeliefert werden.

Die Zeit verstrich. Es wurde Nachmittag, Abend, Nacht. Dann klingelte das Telefon: Der Auslieferer sei liegen geblieben und deshalb wieder zurück zum Flughafen geschleppt worden. Der Koffer würde übermorgen ankommen.

Zu spät für uns.

Ich lieh ihm also einen Zweitkoffer, wir fuhren zum Flughafen, baten die Aufbewahrung, den verlorenen Koffer noch ein wenig länger unter ihren Fittichen zu belassen und waren bereit, unsere Reise anzutreten. Zumindest theoretisch. Denn genau in diesem Moment fiel der Strom aus und es ging für eine Weile gar nichts mehr. Die Koffer waren nicht eingecheckt, die Schlangen wurden immer länger, die Zeit hingegen frappierend kürzer.

Nach Minuten des bangen Wartens fand sich die Lösung jedoch überraschend einfach: Im gegenüberliegenden Terminal (das hatte keine Stromprobleme) druckte man analoge Listen aus, hakte ab und ließ die Koffer der Reisenden von unglücklich aussehenden Flughafenmitarbeitern zu den Maschinen schleppen. Irgendwie schafften wir es dann noch rechtzeitig durch die Kontrollen, nachdem der Strom wieder da war, und starteten mit Verspätung in den Urlaub. Die Koffer kamen übrigens auch an. Beide Male.

Reiseblog die Gratwanderung

 

Vielen Dank an Anna, dass sie uns von ihren Pannen auf Reisen erzählt hat. Anna schreibt übrigens sonst auf dem Reiseblog dieGratwanderung – da solltet ihr wirklich mal vorbei schauen. Und wer noch mehr von Anna lesen möchte, der folgt ihr am besten auf Twitter – unter @dgratwanderung oder auf Facebook.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.