Marokko für Anfänger- Do´s and Don´ts

Wenn man sich in einem fremden Land bewegt, sollte man darauf achten, sich bestmöglich an die örtlichen Gepflogenheiten anzupassen und versuchen, ungewollte Beleidigungen zu vermeiden. Gerade in einem islamischen Land wie Marokko kann es zu einem Drahtseilakt werden, höflich zu bleiben, keine Konventionen zu verletzen und trotzdem auf sich selbst zu achten. Man darf sich nämlich auch als Tourist, oder vielleicht vor allem als Tourist, nicht alles hier gefallen lassen.

Benimmregeln als Orientierungshilfe für den Aufenthalt in MArokko

Als kleine Orientierungshilfe hier nun meine Liste mit Do´s and Don´ts für den Urlaub in Marokko

+ Ein paar Worte lernen

Wir hatten das Gefühl, dass es in Marokko sehr geschätzt wird, wenn man als Tourist versucht, einige arabische Worte zu nutzen. Selbstverständlich ist dies eine sehr komplizierte Sprache, aber die Einheimischen freuen sich sehr, wenn sie merken, dass man sich als Besucher Mühe gibt und Interesse an der Sprache zeigt. Dafür reicht schon eine arabische Begrüßung oder ein Dankeschön. Diese kleine Geste steigert auch die Bereitschaft, auf Englisch zu kommunizieren. Neben arabisch ist die zweite Amtssprache Marokkos Französisch. Da wir beide Sprachen nicht beherrschen, kommunizieren wir hier mit einem wilden Mix aus Englisch, Spanisch, Arabisch und Französisch, angereichert mit einer großen Portion Handzeichen. Das funktioniert sehr gut.

Hier ein kleiner Sprachführer

Guten Tag – „Salam alai kum“, darauf erwidert man „Alei kum salam“
Alternativ begrüßt man sich mit „Sbah alcher“ (Guten Morgen) oder „Mss Icher“ (Guten Abend)
Wie geht es? – „Les bess?“
Auf Wiedersehen – „“Bslama
Willkommen – „Marhaba“
Danke – „Saha“ oder „Shoukran“, dieses kann man sowohl höflich als Dankeschön benutzen, als auch energisch ausgesprochen als „Nein Danke“

Einen ausführlicheren Sprachführer findet ihr hier.

+ Trinkgeld geben

Einladung zum Tee Trinken in Marokko

Während die Marokkaner von Touristen für quasi alles Geld erwarten, ist eine Einladung zum Tee immer kostenlos. Hier riskiert man mit einem Trinkgeld eher, dass die Gastgeber sich verletzt fühlen.

Für kleine Gefälligkeiten, wie das Zeigen des Weges oder die Benutzung der Toilette gibt man in Marokko einen „Bakschisch“, ein kleines Trinkgeld. Angemessen sind zwischen 3 Dirham bis 10 Dirham (30 Cent bis einen Euro). Im Restaurant ist das Trinkgeld nicht im Preis enthalten, es sollte 10 bis 15 Prozent des Endpreises sein. Auch bei Taxifahrten oder im Hotel rundet man großzügig auf.
Wenn man hingegen auf einen Tee eingeladen wird, was sowohl im Hotel, als auch nach dem Essen oder einfach so auf der Straße passiert, gibt man kein Geld. Die Einladung zum Tee ist hier eine Höflichkeit, eine finanzielle Gegenleistung ist nicht erwünscht.
Vielerorts, vor allem in der hektischen Medina, wird man von allen Seiten angesprochen und um Geld gebeten. Auch wenn es anfänglich schwer fällt, sollte man hier hart bleiben. Eine Richtlinie für das Geben von Trinkgeld ist, dass man nur für erwünschte Gefälligkeiten Geld gibt, für das Fotografieren oder ungefragte Koffer abnehmen sollte man allerdings nichts bezahlen.

– Lasst euch nicht anquatschen

Läuft man als Europäer die Straßen entlang, wird man permanent angesprochen. „Madame, Restaurant?“ , „kommen, kommen“. Hier hilft meist ein höfliches aber bestimmtes „La Shoukran“. Meist, aber leider nicht immer. Wenn man zu hartnäckig angesprochen und häufig auch verfolgt wird, hilft nur noch ignorieren. Lasst euch nicht auf Diskussionen ein, ihr müsst euch nicht rechtfertigen. Macht man dann doch den Fehler und folgt jemandem zum versprochenen tollen Restaurant, ist man nicht nur ein großzügiges Trinkgeld los („give me more, more please“) sondern zahlt im Restaurant wahnwitzige Preise. Am ersten Abend sind wir darauf reingefallen und haben geschlagene 650 Dirham (65 Euro) für ein Abendessen bezahlt. Normalerweise bezahlt man für 2 Personen mit Getränken 100 bis 150 Dirham.

+ Erst Fragen, dann fotografieren

Darf ich in Marokko fotografieren?

Wenn man Menschen Fotografieren möchte, sollte man immer erst um Erlaubnis bitten. Wollt ihr allerdings eine belebte Straße mit vielen Menschen ablichten, ist dies nicht nötig.

Gebäude, Sehenswürdigkeiten und belebte Gassen kann man jederzeit fotografieren. Möchte man allerdings eine Person ablichten, gebietet es die Höflichkeit, um Erlaubnis zu fragen. Zeichensprache funktioniert hier sehr gut, da die meisten Menschen, die wenig mit Touristen zu tu haben, kein Wort Englisch verstehen. Hier kann man ein oder zwei Dirham als Dankeschön geben, auch wenn unser Guide uns davon abgeraten hat, weil es die Betteleien und Belästigungen eher fördert.

+ Angemessen kleiden

Auch wenn in marokkanischen Städten nicht nur verhüllte Frauen unterwegs sind, sondern sich auch viele Einheimische westlich kleiden, sollte man vor allem als Frau darauf achten, sich zu bedecken. Hosen oder Röcke sollten immer mindestens die Knie bedecken, Oberteile mindestens die Schultern aber bevorzugt auch die Oberarme. Auch der Ausschnitt sollte so klein wie möglich sein und keinesfalls freizügig. Auch im Sommer kann man sich durch eine dünne Leinenhose und ein leichtes Longsleeve Shirt angemessen und trotzdem angenehm kleiden.

– Keine Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit

Benimmregeln für den Umgang miteinander in Marokko

Zärtlichkeiten sollte man in der Öffentlichkeit nicht übertreiben. Mal die Köpfe zusammenstecken für ein Foto ist aber vollkommen ok. Vor allem, wenn ihr so dick eingepackt seid, wie wir hier.

Sich an der Hand halten ist in Ordnung, küssen oder eng anschmieden sollte man sich aber in der Öffentlichkeit verkneifen.

+ Immer Handeln

Einkaufen in Marokko

Egal, was ihr kaufen möchtet – um den Preis müsst ihr richtig feilschen, sonst zahlt ihr das Vielfache vom eigentlichen Wert.

Generell werden für Touristen viel höhere Preise veranschlagt als für Einheimische. Vorsicht ist geboten, wenn gar kein Preis an der Ware steht, hier nennen die Händler häufig das Vielfache vom eigentlichen Wert. Auch wenn ich durchaus bereit bin mehr zu zahlen, übertreiben es zahlreiche Händler und Guides enorm und versuchen Touristen über den Tisch zu ziehen. Vor allem in der Medina ist es daher vollkommen angebracht beim Preis zu verhandeln, auch wenn ein Preis ausgeschrieben ist.
Viele Guidebooks schlagen vor, in der Medina zunächst 20 Prozent des geforderten Preises anzusetzen. Ich habe mich hierbei anfänglich sehr komisch gefühlt, da es wohl einfach nicht in unserer Kultur verankert ist. Die Händler werden zunächst in gespieltem Entsetzen die Arme in die Luft werfen und wortreich die Vorzüge der Ware anpreisen. Schnell drücken sie aber ihren eigenen Anfangspreis und meist trifft man sich in der Mitte und zahlt ungefähr die Hälfte des ursprünglichen Preises.
Vor allem bei Dienstleistungen wie einer Führung oder einer Taxifahrt muss man vorher über den Preis sprechen. Meist versuchen die Einheimischen es zu vermeiden einen konkreten Preis zu nennen, ist die Leistung dann erbracht, verlangen sie exorbitante Preise, zum Beispiel 60 Dirham für eine Taxifahrt die normalerweise nur 8 Dirham kostet. Hat man es versäumt sich vorher zu einigen, können die Guides sehr energisch werden und auf ihren Wucher-Preis bestehen. Hier muss man hart bleiben und darf sich nicht über den Tisch ziehen lassen.

Insgesamt sind die Marokkaner sehr gastfreundliche und höfliche Menschen, auch wenn sie anfänglich fast alle versuchen Geld von Touristen zu bekommen. Hat man dann in einem Restaurant gegessen oder eine Führung mitgemacht, werden sie sehr umgänglich und geben gute Tipps ohne dafür Geld zu verlangen. Auch im eigenen Hotel kann man immer um Hilfe bitten, gern empfehlen sie gute aber preiswerte Restaurants oder geben Ratschläge zum Umgang mit anderen Marokkanern.
Bei einem ersten Besuch in der belebten Medina oder bei einem ersten Rundgang durch die nächtliche Stadt, haben wir uns sehr verunsichert und gar nicht wohl gefühlt. Achtet man aber auch einige Umgangsformen und ist stets höflich aber bestimmt, wird der Urlaub in Marokko zu einem tollen Erlebnis.

Da ihr nun wisst, wie ihr euch am besten verhalten solltet, kann eurer Abenteuer in Marokko beginnen. Wie wäre es mit einer ausgiebigen Entdeckungstour durch Fes?

3 thoughts on “Marokko für Anfänger- Do´s and Don´ts

  1. 21. Januar 2015 at 09:55

    Richtig guter Bericht! Jetzt fühle ich mich schon etwas mehr gewappnet für meinen Urlaub :)

  2. Khadija
    1. Februar 2016 at 14:38

    Netter Bericht, aber die schreibweise von den marokkanischen Wörtern sollte dringend überarbeitet bzw. korrigiert werden.

    1. Gundel
      7. Februar 2016 at 16:04

      Hi Khadija,
      bin für Hinweise dankbar. Wo klemmt es denn?
      Hab die Schreibweise aus meinem Reiseführer übernommen.
      Danke für deine Hilfe
      VG
      Gundel

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