Interview mit Anett von Stadtsatz – Travel meets Architecture

Wie hat das bei dir mit dem Reisebloggen angefangen? Wie kam die Idee?

Anett im Interview

© Anett Ring

Wie du vielleicht weißt, habe ich u.a. Architektur studiert. Bereits im dritten Semester im Bachelor war mir jedoch klar, dass die klassische Architekten-Karriere im Architekturbüro nichts für mich ist und ich dennoch eine absolute Leidenschaft für unsere bebaute Umwelt habe. Ich stand also vor der Frage, was ich stattdessen machen möchte – bis zum Ende meines Masterstudiums wusste ich das noch nicht so genau. Das „Problem“ ist, dass ich ein kleiner Hybrid bin und meine Interessen sehr vielfältig. Trotz Schwerpunkten im Studium wollte ich auch immer einen Blick über meinen selbstgewählten Tellerrand hinaus werfen. Die theoretische Auseinandersetzung mit Stadtentwicklung, auch Städtebau und Baukultur, aber auch Architekturtheorie, Soziologie und unserem Welterbe hat mich ebenso begeistert wie Baukonstruktion, Tragwerksplanung oder auch meine Praktika im ökologischen Bauen.
Nach dem Studium erhielt ich dann eine befristete Anstellung als wissenschaftliche Autorin bei einem tollen Stadtplanungsbüro. Seitdem möchte ich meine Fähigkeiten im Schreiben verbessern und studiere beispielsweise im Fernstudium Fachjournalismus. Daneben begann ich freiberuflich zu arbeiten und gründete „stadtsatz“. Erst nur als Website, um mich als Freelancerin zu positionieren, seit einer Weile nutze ich die Seite aber auch als Blog und bin in den Social Media, hauptsächlich bei Twitter (www.twitter.com/stadtsatz) aktiv. Ich mache also nun genau das, was meine Leidenschaft ist: Ich teile meine Liebe zur Architektur und all den anderen Themen, die damit in Verbindung stehen.
Zum ersten Mal gebloggt habe ich aber bereits viel früher. Beispielsweise während meines Auslandssemesters für Freunde und Familie. Das Feedback, das ich dazu bekam, war überwältigend positiv. Leider gibt es meinen damaligen Blog-Anbieter nicht mehr und mein alter Blog ist somit offline. Nach und nach werde ich nun meine überarbeiteten Reiseberichte bei stadtsatz.de einstellen und auch von meinen neueren Reisen und meinen Reiseplänen berichten.

Reiseblogs gibt es wie Sand am Meer – was glaubst du macht deinen so lesenswert?

Stadtsatz ist viel mehr als nur ein Reiseblog. Ich berichte hier nicht nur von Reisen und Kurzausflügen, sondern teile mit meinen Leserinnen und Lesern auch meine Gedanken zur bebauten und unbebauten Umwelt. Zuletzt habe ich beispielsweise darüber sinniert, was eigentlich Heimat ist. (http://www.stadtsatz.de/definition-heimat/) Dieses Thema steht für mich im engen Zusammenhang mit dem Reisen, aber auch mit Urbanisierung und zum Beispiel Stadtmarketing.

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© Anett Ring

 

Meine Zielgruppe unterscheidet sich also von vielen anderen Reiseblogs. Da sind zum Beispiel die Architektinnen und Architekten, Stadtplaner_innen und Städtebauer_innen, die meiner Meinung nach ein andere Umweltwahrnehmung haben. Nahezu immer und überall sind sie auf der Suche nach Inspiration und kreativen Input. Beispielsweise gehe ich nicht nur in ein Museum um mir die Ausstellung anzuschauen, sondern ich frage mich auch: Wer hat dieses Museum gebaut? Was hat der Architekt sich dabei gedacht? Welche städtebaulichen Linien hat er fortgeführt? Und hej, warum gibt es überhaupt Museen? Bei mir führt das manchmal zu abstrusen Erlebnissen mit meinen Reisepartner_innen, die sicherlich auch andere affine Menschen kennen ­– glücklicherweise haben alle immer sehr viel Geduld mit mir.

Was war bislang dein verrücktestes Erlebnis auf Reisen?

Definitiv die Pinguin Parade auf Philip Islands in Australien!!! Hier stranden kurz nach Sonnenuntergang männliche Zwergpinguine und watscheln unter lautstarkem Geschnatter vom Strand zu ihren Behausungen, wo die Weibchen schon warten. Wir kauften uns also die ziemlich teuren Karten, nahmen auf der Tribüne mit Blick zum Strand Platz und warteten auf die ersten Pinguine. Kurz bevor der erste strandete, fiel ein gewaltiger Schwarm anderer Touristen über uns her und ignorierte die verzweifelten Bitten der Scouts, doch bitte Platz zu nehmen. Tja nun, nach wenigen Minuten war zwar die Touristen wieder weg, aber leider auch alle Pinguine in ihren Höhlen verstaut. Wir sahen genau genommen nichts und verließen ziemlich zerknirscht den Schauplatz.

Welche Reise war ein Griff ins Klo? Von welchem Land hast du dir mehr versprochen?

So richtig enttäuscht wurde ich bisher noch nie. Ich denke, es kommt auf die innere Haltung an, die man gegenüber einem fremden Land und vielleicht auch einer fremden Kultur entwickelt. Mit einer negativen Grundeinstellung kannst du von Buxtehude bis Burma sicher überall enttäuscht werden.

Was sind deine TOP 5 Gadgets/Equipment, ohne die du nie auf Reisen gehen würdest?

Anett bei der Arbeit

© Anett Ring

Wirklich immer dabei habe ich mein Moleskine Skizzenbuch, ein paar unterschiedliche Skizzenstifte und auch ein kleines Set Bleistifte, meinen Sony E-Reader gefüllt mit ausreichend Reiseliteratur und mein Smartphone, welches ich allerdings mehr für Schnappschüsse und kurze Informationen aus dem Netz nutze.

Außerdem habe ich ein kleines Laster: Ich liebe Süßigkeiten aller Art und trage eine kleine Auswahl davon immer bei mir. Das darf im Alltag nicht fehlen und somit erst Recht nicht im Urlaub. Meine Reisefreunde freut das aber auch. 🙂

Du bist in Berlin ansässig und trotzdem zeigt dein Blog eine starke Verbundenheit mit deiner Heimat Thüringen. Was liebst du so an Thüringen? Wie sähe dein 2 Tagesprogramm aus, wenn du Besuchern deine Heimat zeigen wolltest?

Ich habe die ersten 18 Jahre meines Lebens in Thüringen verbracht und meine Familie wird dir sicher bestätigen, dass ich mit Erreichen der Volljährigkeit nicht schnell genug das Land verlassen konnte. Die Liebe zu Thüringen entwickelte sich erst einige Jahre später und vielleicht auch, weil mein Elternhaus nach zehn Umzügen in zwölf Jahren immer mein einziger fester Bezugspunkt war und ist. An Thüringen selbst liebe ich die Ruhe. Ich kann in wenigen Minuten in der absoluten Stille der Natur sein und auch Erfurt, Thüringens größte Stadt, ist nicht besonders hektisch. In Berlin lebe ich mitten in Neukölln – das hat natürlich einen anderen Charakter und seine Qualitäten. Ich bin froh, dass ich die Freiheit habe, diesen Kontrast leben und ortsunabhängig arbeiten zu können.
Am ersten Tag würde ich meinen Besuchern Südthüringen zeigen, wo ich auch aufgewachsen bin: Ilmenau mit dem Goethehäuschen und dem Kickelhahn, das Kloster Paulinzella im Rottenbachtal und im Winter müssten sie mit mir im Thüringer Wald rodeln gehen. (Ich liebe Winter, ich liebe Schnee!) Am zweiten Tag würde ich versuchen etwas Neues mit ihnen gemeinsam zu entdecken. Ich war zum Beispiel noch nie in den Feengrotten, in Schmalkalden (Viba-Nougatwelt :-)) oder Ronneburg. Eigentlich sind zwei Tage aber viel zu kurz. Weimar und Erfurt sind wunderschön, im Hainich hat es mir sehr gut gefallen und auch die Wartburg oder das Kyffhäuser-Denkmal sollte man mal gesehen haben. Noch dazu benötigt man viel, viel Zeit um all die leckeren Thüringer Köstlichkeiten zu probieren.

 

Anett Ring von Stadtsatz im Thoringi Interview

© Anett Ring

Danke liebe Anett für das ausführliche Interview. Ich freue mich schon auf ein Treffer Thüringer Blogger mit dir und den vielen anderen aktiven Bloggern aus unserer Heimat.

Und wenn ihr mehr von Anett und Ihrem Blog Stadtsatz lesen wollt, dann folgt ihr auf Facebook, Twitter oder Goolge+

One thought on “Interview mit Anett von Stadtsatz – Travel meets Architecture

  1. 17. September 2014 at 11:30

    Danke für das schöne Interview! Ich freu mich auch, dich und die anderen Blogger bald in Thüringen zu treffen!

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