Hotel Weingut Meintzinger – viel Charme, viel Potential, viele Fehler

Unweit von Würzburg, im beschaulichen Winzerort Frickenhausen gelegen, befindet sich das Weingut und Hotel Meintzinger. Das seit 1475 als fürstbischöfliche Sommerresidenz genutzte Weingut beherbergt heute 29 Zimmer mit gehobener Ausstattung.

Auch wenn wir insgesamt sehr angetan waren vom Charme dieses individuellen familiengeführten Hotels, sind uns doch einige Fehler aufgefallen, die leider das Gesamtbild trüben.

Aber fangen wir von vorn an.

Historische Fassade des Hotel Meintzinger

Das Haus – historisch, wunderschön, charmant

Das Weingut Meintzinger besteht aus einem Haupthaus und zwei Nebengebäuden. Hinter der rustikalen steinernen Fassade des Haupthauses befinden sich die Rezeption mit gemütlichen Sitzecken und der Möglichkeit zur Weinverkostung. In diesem offen gestalteten Bereich sind die Erzeugnisse des Weinguts mit viel indirektem Licht gekonnt in Szene gesetzt. Auch einige Zimmer sowie der Frühstücksraum sind im Haupthaus zu finden. Die Nebengebäude befinden sich links und rechts vom Haupthaus jeweils in von der Straße zurückgesetzten Höfen. Die verwinkelte Anlage bietet allerlei Platz für liebevoll gestaltete Sitzecken. Zahlreiche Kerzen und Blumenarrangements schaffen eine gemütliche Atmosphäre im Außenbereich.

Nebengebäude des Hotels

In diesem historischen Nebengebäude des Hotel Meintzinger ist unter anderem die Kurfürstensuite zu finden

Sitzecke im Außenbereich des Hotels

Eine von vielen gemütlich gestalteten Sitzecken im Außenbereich des Hotel Meintzinger

Die historische Bausubstanz des Hotels ist in super Zustand und sehr gepflegt. Durch einige moderne Elemente wurde ein gelungenes Spiel zwischen neu und alt geschaffen, welches dem Weingut einen tollen Charme verleiht. Die, ehemals sicherlich hölzernen, Tor, die vom Haupthaus in die Höfe führen, wurden durch großzügige Verglasungen ersetzt, sodass ein offener und heller Eindruck entsteht.

Die Hotelzimmer im Weingut Metzinger

Die Verbindung von historischen Elementen und moderner Ausstattung zieht sich durch alle 29 individuell gestalteten Hotelzimmer. Auch der Wein ist allgegenwärtig, ob durch Zitate an den Wänden, informative Bücher, dekorative Ranken oder historische Fässern.

Wir haben ein Doppelzimmer und die Kürfürsten-Suite gebucht.

Unser Hotelzimmer im Weingut Meintzinger

Auch wenn uns die Gestaltung des Zimmers auf Anhieb gefallen hat, wurde der sehr positive Eindruck durch die klirrende Kälte im Zimmer stark gemindert. Dank offener Fenster und abgedrehter Heizung entsprach die Zimmertemperatur gleich der Außentemperatur, was bei trübem Herbstwetter sehr unangenehm ist.

Unser Zimmer war in weiß und petrol-blau gehalten, was einen schönen Kontrast zum dunklen Echtholzparkett gebildet hat. Der Wohnbereich des Hotelzimmers mit Sofaecke und Schreibtisch ist durch auf Beistelltische geschraubte Weinreben optisch abgetrennt. Gegenüber des gemütlichen Doppelbettes befindet sich ein ausreichend großer Flachbildfernseher. Zur Unterhaltung steht den Hotelgästen außerdem eine kleine Bücherauswahl zur Verfügung. Die Auswahl an Schnulz-Romanen und drittklassiger Dramaturgie dürfte allerdings maximal einen hormongesteuerten Teenager interessieren.

Bad im Hotel Meintzinger

Das modern gestaltete Badezimmer ist ausreichend groß und offensichtlich neu und hochwertig saniert. Hier hat uns allerdings ein Handtuchhalter gefehlt. Vor allem, da wir nach dem Duschen aufgrund zu kleiner Duschabtrennung das Wasser vom Boden wischen mussten, wäre eine Trockenmöglichkeit praktisch gewesen.

Die Fürstensuite – großzügiger Hotelluxus mit konzeptionellen Mängeln

Die Fürstensuite bietet wirklich jede Menge Platz. Der große Eingangsraum gebeherbergt einen schönen massiven Tisch mit Sitzmöglichkeit für vier Personen. Wir haben es uns hier jeden Abend gemütlich gemacht zum Kartenspielen. Etwas abgetrennt befindet sich ein zusätzlicher Wohnraum der super gemütlich mit weichem Teppich, einer Sofaecke und vielen indirekten Lichtquellen gestaltet ist. Richtig toll finde ich die opulenten alten Möbel mit den filigranen Schnitzereien. Diese einzigartigen Möbel und die hochwertige Einrichtung macht die Fürstensuite zu einem gehobenen aber gemütlichen Wohnraum. Wie allerdings das „dekorative“ Plastik-Obst zu diesem Gestaltungskonzept passt hat sich mir bislang nicht erschlossen.

Diese Diskrepanz zwischen „gut meinen“ und „gut machen“ hat sich vor allem im Badbereich der Suite fortgesetzt. Zum einen finde ich es toll, dass die Toilette vom Bad abgetrennt ist. Auch die Größe des Badezimmers ist für Hotels weit überdurchschnittlich und sicherlich freuen sich viele Hotelgäste über die separate Wärmekammer. Warum es allerdings in der Toilette weder einen Toilettenpapier-Halter noch einen Handtuchhalter gibt ist mir schleierhaft. Auch ist die Qualität WC-Deckel und Brille ziemlich minderwertig, vor allem wenn man es mit der tollen Ausstattung in unserem Zimmer vergleicht. Das passt für mich nicht richtig zusammen.

Mein Fazit zu den Hotelzimmern: Die Gastgeber haben sich bei der Gestaltung ihrer Hotelzimmer viel Mühe gegeben. Vor allem die  einzigartigen alten Möbel in Kontrast zu der modernen und geschmackvollen Ausstattung haben mir sehr gut gefallen. Allerdings haben sich bei der Konzeption und Umsetzung der Zimmer einige Fehler eingeschlichen, die einem 3 Sterne Superior Hotel eigentlich nicht passieren dürften. Trotzdem haben wir uns sehr wohl gefühlt und die Zeit im Hotel Metzinger sehr genossen.

Das Frühstück – Was soll man sagen? Lecker!

Tolle Auswahl beim Frühstück im Hotel

Das Frühstück hat mir ausnehmend gut gefallen. Eine große Auswahl verschiedener Brot- und Brötchensorten, ein wechselndes Kuchenangebot, hochwertige Säfte und Tee-Sorten und eine umfangreiche Auswahl an Wurst und Käse standen zur Verfügung. Das sind ja Sachen die man allgemeinhin von einem Frühstücksbuffet im Hotel erwartet. Aber das Hotel Meintzinger geht noch einen Schritt weiter. Hier werden zum Frühstück einige unerwartete Köstlichkeiten serviert, wie Frühlingsrollen, kleine Tapas und Antipasti. Wirklich toll.

Leider ist der Frühstücksraum für die Anzahl der Gäste zu klein, sodass es sehr beengt zugeht und man mit einigen Wartezeiten rechnen muss.

Der Wein – tolle Auswahl, super Qualität

Nicht unerwähnt lassen möchte ich natürlich die super leckeren Weine des Weingut Metzinger.

Bei einer Weinverkostung kann man für 7,50€ drei Weine nach Wahl testen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist dabei wirklich toll, zumal beim Ausschank der Eichstrich von 0,1 Liter geflissentlich übersehen wurde, sodass man reichlich verkosten konnte. Ich habe sechs unterschiedliche Weine gekostet und dabei neue Lieblingsweine entdeckt. Vor allem der trockene Rose Wein und der trockene Weisse Burgunder Kabinett haben es mir dabei angetan. Das gesamte Sortiment kann man direkt vor Ort auch erwerben. Sehr lecker.

Weinverkostungen

Mein Fazit zum Hotel Weingut Metzinger

Thoringi getestet BlankoMein Fazit zum Hotel Meintzinger klingt sicher etwas paradox, ist es aber nicht. Zugegebenermaßen sind mir solch offensichtliche Fehler bei einem Hotel dieser Klasse und Preislage bislang nicht aufgefallen. Doch auch wenn sich die Kritik-Punkte in diesem Artikel sicherlich sehr negativ lesen, hat es uns richtig zu gefallen. Diese offensichtlichen Fehler wären schnell und müssen dem, ansonsten durchweg positiven, Eindruck des Hotels nicht trüben. Dieses wunderschöne alte Weingut wurde liebevoll und gekonnt in Szene gesetzt und den Gästen viel Komfort. Das Frühstück und die Weine sind durchweg köstlich.

Ich kann das Hotel guten Herzens weiterempfehlen und wir kommen bestimmt wieder. Das nächste Mal würden wir uns aber über eine Toilettenpapier-Halter freuen.

2 thoughts on “Hotel Weingut Meintzinger – viel Charme, viel Potential, viele Fehler

  1. Alex
    4. September 2015 at 14:41

    Hi! Die Überschrift zu diesem Artikel ‚Viel Charme, viel Potential – viele Fehler‘ finde ich ganz schön negativ übertrieben… wenn man bedenkt, dass die Fehler sich auf ein paar fehlende Halter für ToiPa und Handtücher beschränken. Zumal sonst anscheinend alles tipp-topp war.

  2. Gundel
    4. September 2015 at 15:56

    Hi Alex,
    du hast natürlich Recht, dass die Überschrift relativ negativ klingt. Alledings muss ich sagen, dass ich nie zuvor ein so schönes Hotel erlebt habe, welches durch viele vermeidbare Fehler – die sich nicht nur auf den ToiPapierhalter beziehen – leider so viel eingebüßt hat.

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