Homestay: Vietnam authentisch erleben

Vietnam ist bei Weitem nicht so sehr von Touristen überlaufen wie seine Nachbarländer Laos und Kambodscha. Im Süden des Landes kann man tagelang unterwegs sein und auch auf Märkten oder auf der Straße kaum westliche Touristen treffen.

Wer einen wahren Blick in das Leben der Einheimischen werfen möchte, sollte einfach bei ihnen übernachten und mit ihnen Leben. Homestays nennt sich diese Art der Unterbringung, in der man bei einer Familie lebt. Nun ist es jedoch nicht so, dass die Familie einfach ihr Gästezimmer hergibt, vielmehr haben die Familien mehrere Zimmer zu vermieten. Zumeist sind diese mit den Zimmern der Familie im großen Haupthaus untergebracht und einfach durch Bretterverschläge voneinander getrennt. Dadurch entstehen in einem großen Lagerartigen Haus mehrere private Räume.

Die gemütliche Terasse

Die gemütliche Terasse

Obwohl das Wort privat wohl sehr wohlwollend ist, denn die Räume haben kein Dach: die Wand fängt 20 Zentimeter über dem Boden an und hört mehrere Meter unter der Decke auf.

Eingerichtet sind die spartanischen Zimmer mit einem gemütlichen großen Bett und (ganz wichtig) einem Moskitonetz. Wer das Glück hat, einen Tisch oder Schrank im Zimmer zu haben, sollte dringend seine Sachen darauf oder darin verstauen. Denn die offenen Räume laden auch Ratten, Mäuse und Kakerlaken des Nachts ein. Wer diese Möglichkeit nicht hat, sollte seinen Rucksack gut verschließen und auf keinen Fall Essen offen liegen lassen.

Dies mag zunächst sehr abschreckend klingen, denn auch ich bin so gar kein Freund von Tierchen, aber ich habe eine überraschend angenehme Nacht verbracht. Auch wenn sie von den Geräuschen mehrerer tierischer Besucher unterbrochen wurde.

Alle Bewohner teilen sich ein Gemeinschaftsbad, zumeist stehen mehrere Duschen und Toiletten zur Verfügung. Absolutes Highlight eines Homestays in Vietnam ist das Essen. Abendessen und Frühstück sind im Gesamtpreis inbegriffen, ich habe für eine Nacht inklusive Verpflegung 10 Euro bezahlt.

Das Essen war ein wahres Festmahl: ein gebratener Fisch und frische Frühlingsrollen zum Selbermachen. Knusprige Frühlingsrollen, Reis, Gemüse und Hühnchen, zum Nachtisch frisches Obst. Lecker.

Fähre zum Homestay in Vietnam

Auf der Fähre nach An Binh zum Homestay

Also wie organisiert man einen solchen Homestay? Natürlich kann man vorab buchen, die meisten Familien sind sogar als Unterkunft bei Booking oder anderen Hotelbuchungsmaschinen gelistet. Ich bin nach Vingh Long gefahren, einem Ort im Mekong Delta. Hier liegt die kleine Insel Anh Binh im Mekong, Zentrum der Homestays im Süden Vietnams. Ich hatte mir gerade Gedanken gemacht, wie ich einen Homestay organisiere, da wurde ich bereits von einer Frau angesprochen. Da ich vorab einen Tipp bekommen hatte, nannte ich ihr den Namen der Familie, bei der ich bleiben wollte. Welch ein Zufall, das war ihre Familie (ich glaub die hängen hier alle zusammen) und binnen 5 Minuten war ich auf der Fähre, wurde auf der Insel abgeholt und zur Familie gefahren.

Ich kann es nur weiterempfehlen, die Unterkunft heißt Ngoc Sang Homestay in Anh Binh. Kostenpunkt für eine Nacht pro Person 250.000 Dong inklusive Verpflegung. Es war eine abenteuerliche Unterbringung und vor allem der nächtliche Rattenbesuch wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben, aber es war eine tolle Erfahrung, die ich euch nur empfehlen kann.

Die Familie des Homestays kann auch Ausflüge vermitteln. Ich habe eine sechs stündige Bootstour zu den Floating Markets der Region gemacht.

Foto 05.02.16, 16 07 42etnam

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