Gestrandet am Flughafen – 7 Tipps

Was geht eigentlich, wenn nichts mehr geht?

7 Tipps für den unfreiwilligen Aufenthalt am FlughafenMan macht es sich im Flugzeug bequem, hat das Buch schon in der Hand oder denkt über den tollen Urlaub nach, den man gerade verbracht hat. Der Flieger rollt von seiner Parkposition zur Startbahn, langsam aber stetig. In Erwartung auf den Beschleunigungskick des Starts schließt man die Augen und freut sich einfach auf eine angenehme Flugreise. Und dann…NICHTS!
Der Flieger bleibt abrupt stehen. Die Lautsprecher knistern und man weiß, es liegt Ärger in der Luft. Die einzigen Durchsagen, die ich auf einem Flug vom Kapitän hören möchte sind „Ready for take off“ oder „Wir landen in wenigen Minuten“. Was man nicht hören möchte ist, dass der Flieger kaputt ist.
Aber keine Sorge, das kann ein Mechaniker wahrscheinlich in wenigen Minuten reparieren. Na dann ist ja ok. Aber leider gibt es am Amsterdamer Flughafen keinen Mechaniker der Ethiad Airline. Aber in Dresden gibt es einen, den fliegt man jetzt ein. Klingt naheliegend. Also allemann wieder raus aus dem Flugzeug, ab in den Shuttelbus und zurück zum Flughafen.

Erste Verwirrung macht sich breit, wir sind nicht zu unserem Gate zurück gefahren wurden, sondern zur Ankunftshalle. Was tut man nun, wenn nichts mehr geht?

1. Perspektive wechseln

Zu allererst Ruhe bewahren. Ich weiß, Zeit ist kostbar und jeder hält sich und seine Termine für unsagbar wichtig. Aber geht mal kurz in euch und stellt euch die Frage, ob das jetzt wirklich das Ende der Welt ist. Wäre es nicht viel schlimmer gewesen, das Flugzeug wäre in der Luft kaputt gegangen? Sicherheit geht immer vor. Und alle ach so wichtigen Termine lassen sich verschieben.

Flughafen Amsterdam

2. Zusammen bleiben

Du bist nicht allein. Ist das nicht sehr beruhigend. In diesem Flieger wollten noch zich andere Menschen am selben Tag zum selben Ort zur selben Zeit. Bleibt erstmal zusammen. Lernt euch kennen, dann vergeht auch die Wartezeit viel schneller. Der Mensch ist ein Herdentier und in ungeplanten Situationen kann es seltsam beruhigend sein, wenn noch andere das gleiche Problem haben. Außerdem könnt ihr euch vielleicht gegenseitig helfen. Vielleicht kann jemand (VERTRAUENSWÜRDIGES!) auf dein Gepäck aufpassen, während du auf Toilette gehst, vielleicht kann dich jemand am Zielort (wenn du es endlich dahin geschafft hast) ein Stück mit dem Auto mitnehmen.

3. Hilfe holen

Bevor jetzt alle wie die aufgeschreckten Hennen durcheinander laufen, geht zu den offensichtlichen Anlaufstationen. Jeder Flughafen hat Serviceschalter, die Mitarbeiter werden im Falle von Flugausfällen sofort informiert und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung für die Fluggäste. Meist können alle Passagiere auf einen anderen Flug am selben Tag umgebucht werden. Dabei gibt es meist nicht ganz offensichtliche Lösungen. Ihr wolltet also, wie ich, nach Leipzig und an diesem Tag geht kein Flug mehr nach Leipzig? Die Mitarbeiter der Serviceschalter berechnen alle Möglichkeiten um die schnellsten Verbindungen zu finden. Wie wäre es mit einem Flug nach Dresden und anschließendem Bustransfer nach Leipzig? Gebucht. Los geht’s.
PS: in genau diesem Bus sitze ich jetzt.

4. Nett bleiben

Weder die Flugbegleiter, noch der Kapitän und vor allem nicht die sonstigen Flughafenmitarbeiter können etwas dafür, dass es Probleme mit deinem Flug gibt. Im Gegenteil, sie versuchen zu helfen und machen einfach ihren Job. Sicherlich ist so eine Verzögerung im Reiseablauf, und darauf kannst du dich einstellen – das dauert mehrere Stunden, sehr ärgerlich, aber wie bereits oben gesagt kein Weltuntergang. Also bitte immer schön nett bleiben, die gute Kinderstube nicht vergessen.
Jemanden anzuschreien bringt dich übrigens, entgegen offensichtlich weit verbreiteter Meinung, nicht weiter.

5. Mach es dir gemütlich

 

Aus leidiger Erfahrung weiß ich, dass diese ungeplante Umorganisierung der kompletten Reise Zeit in Anspruch nehmen wird. Und zwar viel Zeit. Nicht selten musst du 4 bis 6 Stunden auf den nächsten Flieger warten. Also keine Hektik, such dir einen gemütlichen Platz (auf Flughäfen gar nicht so einfach) und bleib da. Die meisten Flughäfen haben heutzutage Ladestationen für die gängigsten Handys. Auch Steckdosen für deinen Laptop sind meist nicht weit.
Mein Tipp: teile dir die Zeit ein und setze dir Etappenziele. Ich musste heute 5 Stunden am Flughafen Schipol Amsterdam warten. Ok, das ist eine lange Zeit. Bis wir alle Informationen zur neuen Reiseplanung bekommen haben, waren es schon nur noch 4 Stunden. Anschließend mit dem Laptop auf den Boden neben einer Ladestation gesetzt und einen Artikel für Thoringi geschrieben. Danach eine Raucherpause. Dann ein ausgiebiges Mittagessen. Dann wieder ein wenig rumschlendern. Schon sind es nur noch 2 Stunden bis Abflug und man kann immerhin schon mal einchecken. Wieder was erreicht.
Noch ein wenig rumbummeln und schon ist Zeit für den Security Check in. Ihr wisst, was ich meine. Eine lange Wartezeit ist viel erträglicher, wenn man sie in kürzere Etappen einteilt, dann scheint sie einfach nicht so endlos.

6. Du hast Rechte – nutze sie!

Ein kleiner Snack um die Zeit tot zu schlagen

Fluggäste haben Rechte, wenn die Reise aufgrund von Flugausfällen um mehrere Stunden verspätet ist. Nachdem das ganze Organisatorische geklärt ist, geh wieder zum Serviceschalter, hier bekommst du Verzehrgutscheine. Je nach Länge der Verzögerung variiert deren Wert. In meinem Fall waren es 15 Euro, genug für ein ausgiebiges Mittagessen plus Bier.
Ich würde wirklich warten, bis alle Passagiere vom Serviceschalter mit neuer Reiseplanung versorgt wurden, der Fairness halber. Da du ja eh alle Zeit der Welt hast, eilt es nicht.
Außerdem musst du dir am Schalter deiner Airline ein Fluggastrechtformular geben lassen. Dies kannst du sowohl am Abflug- aös auch am Ziel-Flughafen tun. Fülle dieses Formular aus und schicke es an die Airline, es wird sich jemand bezüglich Kompensation melden.
Ganz wichtig: hebe die Boardkarte des ausgefallenen Fluges gut auf, sie dient dir als Beweis.

Deine Rechte als Fluggast - wenigstens ein Mittagessen gibt es gratis

7. Genieße es

Ich weiß, viele werden mich jetzt für verrückt erklären, aber lass dich drauf ein. Beobachte Leute, genieß die Sonne auf dem Beobachtungsdeck oder stöber durch Läden. Du kannst es, wie schon gesagt, eh nicht ändern oder beschleunigen, und wer will schon zusätzlich zur Verspätung auch noch Falten kriegen.
Außerdem: du bist grad auf den Weg in den Urlaub oder aus dem Urlaub nach Hause. Das ist doch was, worüber man sich freuen kann!

Aussicht genießen am Amsterdamer Flughafen

4 thoughts on “Gestrandet am Flughafen – 7 Tipps

  1. chris
    24. Februar 2015 at 23:31

    Ich war fünf Tage ohne geld am HKG, nachdem mir im Transitbereich alles gestohlen worden ist… keine Hilfe! Das schlimmste Erlebnis meines Lebens!

  2. Gundel
    19. März 2015 at 17:21

    Oh Gott, du Armer! Das ist wirklich weitaus schlimmer, als im sonnigen Amsterdam für ein paar Stunden festzusitzen. Wie hast du das gelöst?

  3. Franzi
    3. August 2015 at 19:39

    Schöner Post, gute Einstellung :)

    Liebe Grüße von einer Flughafenmitarbeiterin, die nichts dafür kann und doch immer noch viel zu oft angeschrien wird…

  4. Gundel
    6. August 2015 at 11:34

    Hi Franzi,
    ja, da beneide ich euch wirklich nicht. Ich denke mir das häufig bei Bahn-Mitarbeitern, Call-Center Angestellten uvw.

    Aber hoffentlich gibt es auch genügend Reisende, die sich ganz lieb bei dir bedanken für deine Hilfe?!?

    Auf jeden Fall wünsch ich dir einen schönen Arbeitstag und nette Kunden.

Schreibe einen Kommentar

Or

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *