Geständnis: Ich habe Angst vorm Reisen

Eine Wahrheit, über die kaum ein Reisender spricht

Gleich nachdem feststand, dass ich mich 4 Monate aus der Arbeit rausnehmen werde, um allein durch die Welt zu reisen, habe ich mir zahllose Reiseführer für infrage kommende Destinationen gekauft. Doch schon wenige Minuten nach dem Aufschlagen verließ mich die Lust. Zu viele Details gab es zu planen, zu viel Wissen anzueignen. Ich konnte mich einfach nicht motivieren, damit anzufangen und das, obwohl so eine Reiseplanung ja eigentlich etwas Tolles ist.

Auswahl an Reiseführern für mein Sabbatical in Südostasien
Dazu kam die Panik. Während mich alle zu diesem Entschluss beglückwünscht haben und ich ständig zu hören bekam, wie sehr ich um diese Zeit und diese Reise zu beneiden bin, hat sich in mir eine Panik aufgestaut. Eine Panik, die ich mir selbst gegenüber kaum eingestehen wollte und Außenstehenden gegenüber niemals zugegeben hätte.
Auch wenn ich mich sehr auf meine Reise gefreut habe, überwogen doch Angst vor dem Ungewissen. Dabei mache ich mir keine Sorgen um Leib und Leben. Vielmehr ist es die Angst vor dem Alleinsein, die mich bedrückt. Im Alltag bin ich ständig auf Achse. Zwischen Freunden, Freund, Familie und Beruf bleibt kaum eine Minute für mich allein – und ich mag das. Doch plötzlich sind da diese vier Monate, die ich allein in fremden Ländern verbringen werde. Ich mache mir Sorgen, dass ich beim Alleinreisen versumpfe. Mich nicht aufraffen kann, oder mich vielleicht auch nicht traue, mit dem Nachtbus in entlegene Ecken eines Landes zu fahren um die Touristenpfade zu verlassen. Ich habe Sorge, dass ich nur Dinge tue, auf die ich Lust habe. Das klingt jetzt paradox, doch glaube ich, dass man beim Reisen in der Gruppe viel mehr sieht und lernt, da man den Wünschen der anderen nachgibt und auch mal Dinge tut, die einem selbst nicht in den Sinn gekommen wären.
Und vor allem graut es mir vor den langen Abenden und Nächten. Während die Tage sicherlich mit allerlei Entdeckungstouren, Sightseeing-Ausflügen und vielen Erlebnissen ausgefüllt sein werden, können die Abende allein ziemlich lang werden. Man kann eben nicht jeden Tag den ganzen Tag auf Achse sein.
Mein viermonatiges Sabbatical war lange Zeit eine abstrakte und schwer greifbare Zeitspanne für mich. Ich konnte mir die Ausdehnung dieser Zeit schwer vorstellen und entsprechend war es mir quasi unmöglich, meine Pläne für den Backpackingtrip durch Südostasien zu konkretisieren.

Meine Route durch Südostasien
Doch nun habe ich mich hingesetzt und einen exemplarischen Ablaufplan erstellt. Mit zahllosen Flugplanabfragen und einem Auge auf der Südostasienkarte, habe ich eine für mich sinnvolle Abfolge an Ländern zusammengestellt. Aufgelistet in einer Excel scheint der Plan sehr umfangreich und auch enorm konkret, da ich bereits Flugdaten herausgesucht habe. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich dies alles noch 100 Mal ändern wird. Es ging mir einzig darum aufzulisten, in welchem Land ich wie lange bleibe, wo ich als nächstes hinreise und wie lange diese Reise mit dem Flugzeug dauert.
Mit dieser Übersicht im Hinterkopf gehe ich nun daran, mich über die einzelnen Länder zu informieren. Denn es ist bedeutend überschaubarer zu wissen, dass man 14 Tage in Vietnam sein wird und danach 14 Tage in Laos, als dass man vier Monate in Südostasien sein wird. Ich lese jetzt also meine Reiseführer quer, suche mir in jedem Land 3-4 Highlights aus, die ich unbedingt sehen will und versuche diese in einer sinnvollen Route miteinander zu verbinden. Und plötzlich freue ich mich auf meine Reise. Kann es kaum erwarten, Angkor zu erkunden, mit dem Boot auf dem Mekong zu fahren oder in Chiang Mai auf Entdeckungstour zu gehen.
Ich will nicht sagen, dass sich durch die Konkretisierung des Plans all meine Sorgen in Luft aufgelöst hätten. Noch immer wird mir etwas flau im Magen, wenn ich an den dritten Januar und somit an den Tag meiner Abreise denke. Allerdings kann ich mir die Reise selbst nun viel besser vorstellen.
Von allen Reisenden höre ich, dass man unterwegs nie wirklich allein ist, dass man tolle Menschen trifft und den Weg zusammen geht. Und ich bin mir sicher, dass meine Reise durch Südostasien eine der aufregendsten Erfahrungen meines Lebens wird.
Und trotzdem geht mir der Arsch auf Grundeis. Das wird man doch mal sagen dürfen. Ich finde, dass muss auch mal jemand sagen. Damit der nächste Reisende, dem schlecht wird bei der Vorstellung allein durch unbekannte Länder zu reisen, weiß, dass er nicht allein ist.

Was sagt ihr dazu? Hattet ihr schon mal Angst oder Bedenken vor einer Reise oder ist Reiseplanung bei euch immer eitel Sonnenschein? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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