Abenteuer Bootstour in Kambodscha

Unser Schwimmwesten haben uns gerettet

Schon in Laos habe ich festgestellt, wie sehr ich die Zeit am und auf dem Fluss genieße. Die Landschaft wirkt so romantisch und man gleitet so vollkommen ohne Stress und Hektik auf dieser Lebensader der Region entlang und bekommt das ländliche Leben aus erster Hand mit.

Also war für mich klar, dass ich auch in Kambodscha bevorzugt das Boot als Transportmittel wähle.

Mit dem Boot von Siem Reap nach Battambang

9 Stunden Bootsfahrt von Siem Reap nach Battambang

Nachdem ich die Tempelruinen in Angkor ausgiebig bestaunt habe, kam die Zeit Siem Reap zu verlassen und Kambodscha weiter zu erkunden. Mein nächstes Ziel: Battambang.

Mit dem Bus hätte ich in drei Stunden da sein können, aber Busfahren kann ja jeder. Also habe ich mich für die Bootsfahrt entschieden, für 22 Dollar erhält man das Bootsticket und wird auch vom Hostel abgeholt. Was die Länge der Fahrt angeht, so bekommt man sehr unterschiedliche Aussagen, von sechs bis zehn Stunden war alles dabei.

Nach der Abholung aus dem Hostel wurde ich zu einer Sammelstelle gefahren, hier warteten bereits 20 andere Reisende darauf, zum Boot transportiert zu werden. Dieses sollte 07:30 Uhr morgens abfahren, aber 09:00 Uhr standen wir immer noch am Sammelpunkt. Da dieser mitten in Siem Reap war, war natürlich kein Boot in Sicht.

Am Anfang meiner Reise hätte ich mir große Sorgen gemacht, ob wir das Boot verpassen würden, ob man uns vergessen hätte, wann es denn weiter geht. Mittlerweile weiß ich, dass in Südostasien eine ganz eigene Zeitrechnung existiert, deutsche Pünktlichkeit oder gar Hektik gibt es hier nicht. Ich könnte mir vorstellen, es gibt hier nicht mal ein Wort für „pünktlich“. Und ich weiß mittlerweile, dass es am Ende immer funktioniert, die vergessen keinen, egal wie vage die Aussage des Fremden war, dem du deine 22 Dollar in die Hand gedrückt hast.

Nach einer abenteuerlichen Fahrt in einem vollkommen überfüllten Minivan haben wir also das Boot erreicht. Also Boot ist etwas viel gesagt, den kleinen Kutter. Auf diesen kleinen harten Holzbänkchen sollten wir also die nächsten 6 bis 10 Stunden verbringen, nicht gerade rosige Aussichten. Anfangs hat die Fahrt wirklich keinen Spaß gemacht, ständig mussten wir aufgrund des niedrigen Wasserstandes anhalten, um entgegenkommende Boote passieren zu lassen. Wir kamen kauf voran. Doch sobald wir breitete Gebiete des Flusses (der den Namen Steng Sonkea Sangker River trägt) erreicht hatten, ging es flotter voran. Und langweilig wird so eine Fahrt bestimmt nicht, an den Flussufern und auch auf dem Fluss selbst gibt es so viel zu sehen!

Schwimmende Dörfer: das einfache Leben auf dem Fluss

Von Siem Reap nach Battambang mit dem Boot

Sehr beeindruckt haben mich die schwimmenden Dörfer. Hier leben ganze Familien jeweils in einer kleinen auf dem Wasser treibenden Hütte. Ähnlich eines Vorgartens haben sie ihr Wassergemüse vor dem Haus abgesteckt und auch die eigenen Fischgitter liegen fest verankert. Hier wird der noch lebende Fang untergebracht, damit der Fisch stets frisch und nach Bedarf auf den Tisch kommt. In den schwimmenden Dörfern gibt es fast alles, was ein normales Dorf auch hat: eine Schule und Gemeinschaftshäuser, kleiner Kioske und Restaurants, feste Adressen und Arbeitsstätten. Nur eben keine befestigten Straßen, stattdessen treibende Häuser und kleine Boote zur Fortbewegung. Wirklich faszinierend!
Zahllose Kinder spielen auf den Terrassen ihrer dahintreibenden Häuser oder dösen im Schatten in der Hängematte, irgendwie direkt über dem Fluss aufgehangen. Für Spiel und Spaß sorgt das ausgelassene Toben im Fluss. Die Verhältnisse am Fluss sind erschreckend einfach, die Wohnräume beengt und aus schmutzigem dünnen Wellblech zusammengebaut. Privatsphäre scheint es hier nicht zu geben, die meisten Häuser bestehen nur aus einem Raum, hier hält sich die ganze Familie auf. Woher ich das weiß? Weil Eingangstüren gibt es auch kaum, beim Vorbeifahren schauen wir direkt in das Leben der Flussbewohner.

Abenteuer Bootsfahrt in Kambodscha

Unterwegs passieren wir immer wieder Fischer bei der Arbeit und zahllose Kindern beim Baden im Fluss. Überall werden wir begeistert begrüßt, vor allem die Kleinen haben einen riesen Spaß beim Zuwinken und Jubeln. Im Vorbeifahren können wir leider nicht mehr als ein freundliches Winken zurück geben.

Nach vier Stunden legen wir eine kleine Mittagspause ein, an einem recht überteuerten schwimmenden Restaurant können wir uns mit Snacks und kalten Getränken versorgen. Laut GPS Karte haben wir bereits zwei Drittel des Weges geschafft, wir sind zuversichtlich und starten in das vermeintlich letzte Wegstück.
Ab hier wird es problematisch. Der Wasserstand ist so niedrig, dass wir ständig im Sand stecken bleiben. Der Fluss ist so kurvig, dass wir nur in Zeitlupe navigieren können. Wir kommen kaum voran, zwei Stunden später haben wir gerade mal 5 der verbleibenden 30 Kilometer geschafft. Frustration macht sich breit. Mittlerweile kann keiner mehr richtig sitzen auf den schmalen Holzbänkchen. Die Sonne knallt zunehmend auf das Boot, da dieses an den Seiten offen ist, auch auf uns. Unsere Schwimmwesten retten uns, wenn auch nicht im ihnen zugedachten Sinne, so aber als Sitzpolster. Nachdem wir wieder mal 10 Minuten bewegungslos im Fluss treiben werden wir aufgefordert das Boot zu verlassen. Wir werden laufen müssen.

Also ein wagemutiger Sprung in den Fluss und auf ans andere Ufer. Von hier laufen wir knapp eine halbe Stunde in sengender Sonne während unser Fahrer versucht das nun leichtere Boot aus dem Schlamm zu navigieren. Das frustrierende ist, dass wir in der Zeit in der wir zu Fuß unterwegs waren mehr Strecke gut gemacht haben als davor.

Aber der kleine Marsch ist interessant, er führt uns in eine kleine Siedlung, die Einwohner sind freundlich und weisen uns lachend die Richtung nach Battambang. Ok, ein bisschen schadenfroh sind sie wohl auch.

Kambodschas Landleben erkunden

Nun ist das schlimmste überstanden, der Fluss wird weiter und tiefer und wir kommen wieder vorwärts. Mittlerweile ist auch die sengende Hitze des Tages vorüber, es ist ja schon 16:00 Uhr. Also begebe ich mich auf das Dach des Bootes und genieße die ruhige Fahrt. Zunehmend werden die schwimmenden Dörfer durch befestigte Siedlungen am Flussufer abgelöst. Es ist erschreckend wie sehr die Menschen in ihrem eigenen Müll leben. Die Siedlungen sind dreckig und wirken windschief zusammengeschustert. Die Menschen führen hier ein hartes und mühsames Leben, rund um die Uhr beschäftigt mit Nahrungssuche und Zubereitung. Die Männer fischen, die Frauen kochen und die Kinder spielen im Fluss. Aber alle scheinen zufrieden, vor allem die Kinder sind ausgelassen und scheinen glücklich.

Ich genieße die letzten zwei Stunden Fahrt in vollen Zügen. Gegen sechs Uhr abends kommen wir in Battambang an, mit vier Stunden Verspätung.

Die Fahrt war beschwerlich, aber so interessant und stellenweise so wunderschön, dass sie zu meinen schönsten Reisemomenten dieses bisherigen Urlaubs gehört. Man kommt schneller nach Battambang, auch billiger, aber während einer Bootstour kann man das Landleben der Bevölkerung sehen, fernab von Siem Reaps glitzernden Touristenrestaurants und lauten Pubs.

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